Mittwoch, 30. März 2011

Biokrieg / The windup girl


Klappentext:

Die nahe Zukunft: das Erdöl ist versiegt, unzählige Spezies sind ausgestorben, überall regiert Bioterrorismus. Der perfekte Zeitpunkt für Anderson Lake, um auf den außer Kontrolle geratenen Märkten von Bankok Jagd auf die letzten genetisch unverseuchten Nahrungsmittel zu machen...

Selten habe ich einen Klappentext gelesen, der mich so wenig zum Kauf verleitet hat wie dieser. Was mich doch bewegt hat, zu zu greifen war der simple Satz "Das Erdöl ist versiegt" und meine Frage: und was dann?

Ich bin froh den 606 Seiten starken Roman gekauft und gelesen zu haben - denn er ist eine wahre Wundertüte an technischen Ideen und gleichzeitig ein Fremdenführer in das thailändische Gemüt. Ich habe mich noch nie wirklich mit Thailand beschäftigt, ich kenne die politischen Verflechtungen Ostasiens nicht - inzwischen habe ich das Gefühl, eine Ahnung von dem gesellschaftlichen Leben dort zu haben, auch wenn der Autor in seiner Danksagung ausdrücklich darauf hinweist, dass der Roman nicht als repräsentatives Bild des heutigen Thailands oder der thailändischen Bevölkerung interpretiert werden soll.

Worum geht es?

Wir befinden uns im Spannungsfeld zwischen Umweltministerium und Handelsministerium. Die Weißhemden des Umweltministeriums sorgen für die Einhaltung der strengen Energierichtlinien und den Schutz vor der Einfuhr genetisch veränderten Materials. Gleichzeitig sind sie für die Bekämpfung von Epidemien verantwortlich. Wo das Umweltministerium einst großes Ansehen genossen hat, ist es inzwischen jedoch zu einem Hort der Korruption und des Machtmissbrauchs geworden.
Während das Umweltministerium also seine Macht verliert, blüht das Handelsministerium auf, in dem es auf eine Wiederaufnahme der Handelsbeziehugen mit der Aussenwelt hinarbeitet. So soll sich das Königreich nach der großen Isolation wieder der Welt öffnen.
Die Vertreter der beiden Ministerien sind auf der Seite des Umweltministeriums General Pracha und auf der Seite des Handelsministeriums Akkarat. Sie bilden die beiden Pole des Spannungsfeldes, in dem sich die Geschichte bewegt.
Die dritte Gruppierung bilden die Ausländer, die Farang, zu denen auch Anderson Lake, gehört. Sie verfolgen ihre eigenen Ziele, die meisten sind auf reinen Profit aus, nur Lake sucht in erster Linie nach etwas anderem - nämlich den Zutritt zur Samenbank des Königreichs, einer der wenigen auf der Welt, in der es noch genetisch unverändertes Erbgut gibt.
Neben diesen mächtigen Personen gibt es aber auch Kräfte, die im verborgenen wirken. Hock Seng zum Beispiel, der als yellow card Chinese nur geduldet ist und das Beispiel eines Opportunisten ist. Er ist auf Überleben programmiert, stiehlt, lügt, betrügt zu seinen Gunsten und schafft es immer wieder, zum richtigen Zeitpunkt auf der richtigen Seite zu stehen und dient dabei doch nur sich selbst. Seine Geschichte ist die Geschichte vieler die in den Slums von Bankok leben.

Eines zum Schluß:
Im amerikanischen Original heisst der Roman "The windup girl" - Das Aufziehmädchen. Ich finde den Titel schöner und vor allem passender als den deutschen, denn das japanische Aufziehmädchen Emiko, ein geklontes, genetisch gezüchtetes Wesen, dem der Gehorsam in der DNA steckt, ist der Katalysator der Geschichte.
Lernen wir sie als ausgebeutetes Wesen in einem Nachtclub kennen, wird sie schon bald zu einer treibenden Kraft, die, gefangen in ihrem Kampf um die bloße Existenz, eine Kettenreaktion lostritt, die in einem Krieg gipfelt...

Aber wie die Schicksale der einzelnen Figuren genau ineinander greifen und was sie uns sonst noch alles  zu erzählen haben, das sollte jetzt schnellstens selbst nachgelesen werden!

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